Berufsbild Erwachsenenpädagoge

Interview mit einer Erwachsenenpädagogin

Geschlecht: weiblich
Arbeitet als: Erwachsenenpädagogin im Training Management
Alter: 29 Jahre

1. Was macht eine Erwachsenenpädagogin?

Als Erwachsenenpädagogin kann man in unterschiedlichen Aufgabenfeldern arbeiten. Ich persönlich habe mich nach dem Studium für das Aufgabenfeld der Personalentwicklung entschieden. Als Teamkoordinator im Team Training Management habe ich die fachliche Führungsverantwortung für ein kleines Sub-Team von 7 Mitarbeitern (insgesamt besteht das Team aus 40 Mitarbeiter). In dem Unternehmen, für das ich arbeite, wird zwischen einer fachlichen (=Teamkoordinator) und disziplinarischen Führung (=Teamleiter) unterschieden. Als fachliche Führungskraft bin ich dafür verantwortlich, dass das Tagesgeschäft (das Team organisiert weltweit Personalentwicklungs-/Weiterbildungsmaßnahmen) reibungslos läuft. Darunter fällt zum Beispiel die Ressourcenplanung, d.h. die Abstimmung der Urlaube meiner Mitarbeiter sowie Erstellen von Vertretungsregeln im Krankheitsfall. Des Weiteren arbeite ich sehr eng mit der disziplinarischen Führungskraft zusammen und unterstütze sie bei der Mitarbeiterführung, -beurteilung und -entwicklung. Ein weiteres wichtiges Aufgabenfeld ist das Wissensmanagement: Hierunter fällt vor allem die Erstellung und Pflege von Arbeitsanweisungen, damit alle Teammitglieder immer auf dem neusten Stand sind (z.B. Änderung von Kostenstellen, auf die die Trainingskosten belastet werden). Die Mitarbeit in verschiedene Human Resources Projekten gehört ebenfalls in das Aufgabengebiet eines Teamkoordinators. Nebenbei organisiere ich – wie auch das Team – Seminare und bin ganz nah am Tagesgeschäft.

2. Wann wussten Sie, dass Sie einmal diesen Beruf ergreifen würden?

Während meines Studiums „Erwachsenenbildung/Weiterbildung“ fing ich an mich für Themen rund um Wirtschaft und Personalarbeit zu interessieren. Parallel arbeitete ich ehrenamtlich als Jugendleiterin, weshalb für mich klar war, dass ich auch im Beruf Verantwortung übernehmen wollte.

3. Wie verlief die Ausbildung?

Zunächst wollte ich Lehrerin für Theologie und Latein werden, da mir diese beiden Fächer in der Schule besonders Spaß gemacht haben. Aber dann stellte sich schnell heraus, dass mir das Studium zu trocken war und ich mich vor allem für das lebenslange Lernen und Personalentwicklung zu interessieren begann. Daher begann ich Erziehungswissenschaften als Hauptfach, Soziologie und Psychologie als Nebenfach, auf Diplom zu studieren. Nach dem Grundstudium musste ich mich für eine Vertiefung – Sozialpädagogik oder Erwachsenenbildung – entscheiden. Im Hauptstudium habe ich dann Praktika und Nebenjobs im Personalbereich in verschiedenen Unternehmen angenommen, um praktische Erfahrungen zu sammeln. Neben dem Studium war es mir auch wichtig mich in der Betriebswirtschaftslehre weiterzubilden, um zu verstehen wie die Wirtschaft funktioniert und Personalprozesse ablaufen. Meinen Einstieg in das Berufsleben begann ich dann bei einem Beratungsunternehmen.

4. Welche Inhalte oder Themen haben Ihnen in der Ausbildung, vorher in Schule und Freizeit und jetzt im Beruf besonders viel Spaß gemacht?

  • Schule/Freizeit: Latein, Religionsunterricht, Geschichte, Musik
  • Ausbildung: Das Nebenfach Psychologie war mein Highlight. Hier habe ich u.a. Vorlesungen und Seminare zum Thema Klinische Psychologie, Gesundheitspsychologie, Arbeits- und Organisationspsychologie besucht, die mich auch persönlich sehr bereichert haben.
  • Beruf: Ich liebe das operative Arbeiten, da ich hier mein Organisationstalent perfekt einsetzen kann. Gleichzeitig liegt mir aber auch die strategische Arbeit, weshalb ich es toll finde mich in HR- Projekten mit einen Ideen und Konzepten zu Themen der Weiterbildung/lebenslanges Lernen einbringen zu können.

5. Wo arbeiten Sie momentan?

In einem Chemiekonzern.

6. Wie verläuft ein typischer Arbeitstag?

In der Regel starte ich zwischen 08.00 – 08. 30Uhr mit einer Begrüßungsrunde im Team. Danach starte ich den PC und lese meine Mails. Als Teamkoordinator ist die Woche mit rund 60-70 % Terminen gefüllt, weshalb ein konzentriertes Abarbeiten von Mails nicht immer möglich ist. Nur kurze Zeit nachdem ich den Rechner angemacht haben, gibt es oft schon Anfragen meiner Mitarbeiter, die ich gemeinsam mit ihnen oder alleine kläre. Da ist es ganz hilfreich sich täglich eine To Do Liste zu schreiben, damit nichts untergeht ;). Dann geht es schon los in den ersten Termin. Wenn ich zurück an meinen Schreibtisch komme, leuchtet meistens das Telefon rot und ich tätige einige Rückrufe, oder es liegen Dokumente auf dem Tisch, die ich als fachlicher Vorgesetzter prüfen und unterschreiben muss. Einige Termine müssen natürlich auch vorbereitet werden, dann setze ich mir Blöcke in meinen Kalender, damit mir niemand einen anderen Termin einstellt. An einem typischen Arbeitstag gehe ich gegen 12.00 Uhr in die Pause. Nach der Pause geht es dann weiter, entweder Teilnahme an Meetings, Abarbeiten von Mails oder anstehende Seminare organisieren. Bei uns gibt es ein schwankendes Tagesgeschäft, so dass es Phasen gibt, in denen man pünktlich Feierabend machen kann, oder auch mal länger sitzt. Das gleicht sich dann über das Jahr verteilt gut aus.

7. Gibt es Routine in Ihrem Beruf? Wenn ja, worin besteht sie?

Ja, bei der reinen Organisation von Weiterbildungen greifen wir auf viele standardisierte Prozesse und Tools zurück (Bestellung von Catering, Hotelbuchungen, Trainer beauftragen und abrechnen, etc). Diese Vorgehensweise ist für alle Kollegen gleich.

8. Wie viel Zeit verbringen Sie mit welchen Tätigkeiten

  • am PC 55 %
  • am Telefon 10%
  • unterwegs 35% (keine Reisetätigkeiten, aber oft mit meinem Notebook im Haus unterwegs)
  • davon Vorbereitung 30%
  • mit anderen Menschen 100%

9. Was ist besonders toll an Ihrem Beruf?

Die Abwechslung, Teamarbeit und der Kundenkontakt. Durch verschiedene HR-Projekte bekomme ich viele Einblicke in diverse Personalthemen eines großen Konzerns.

10. Was gefällt Ihnen nicht so gut?

In manchen Hochphasen habe ich bis zu 30h Meetings pro Woche. Manchmal denke ich mir dann, dass ich in dieser Zeit viel abarbeiten oder auch Entscheidungen selbständig und schneller treffen könnte.

11. Was würden Sie anderen Menschen raten, die Ihren Beruf ergreifen wollen?

Wenn ihr Interesse an Personalthemen oder speziell der Personalentwicklung habt, empfehle ich Euch in diesem Bereich früh Erfahrungen zu sammeln (durch Praktika, Aushilfsjobs, etc).

 

By | 2016-07-30T12:20:20+00:00 18. März 2016|Berufsbilder|1 Kommentar

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Ein Kommentar

  1. petra 8. Februar 2018 um 21:10 Uhr - Antworten

    Danke

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